Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8008 Zürich
Dienstag 16-22h, Samstag/Sonntag 11-17h
Eintritt Sfr. 7. - ab 26 Jahre
+41 (0) 44 388 61 90
office@johannjacobs.com

Utopischer Beigeschmack

In dieser Ausstellung von Marcelo Rezende werden zwei bemerkenswerte Gesellschaftsmodelle miteinander verglichen, so dass sich neue Einblicke in die fürchterliche Komplexität der Moderne ergeben. Zum einen geht es um die Colônia Helvécia/Leopoldina. Dieser ersten deutsch-schweizerischen Siedlung in Brasilien kommt innerhalb der Geschichte der Sklaverei im 19. Jahrhundert eine besondere Rolle zu.

29. August – 21. November 2017

Ausstellung

Historische Berichte, Dokumente und mündliche Überlieferungen lassen nämlich darauf schliessen, dass die damalige Kaffeeplantage eine Art utopischer Erfahrung ermöglichte: entflohene oder befreite Sklaven, die hier Zuflucht suchten, wurden als Menschen und freie Arbeitskräfte behandelt. Zum anderen wird die modernistische Utopie der Fazenda Capuava rekonstruiert. Diese brachliegende Kaffeeplantage in der Nähe von São Paulo war dem Künstler und Architekten Flávio de R. Carvalho (1899 – 1973) aus Familienbesitz zugefallen. In den 1920er und 30er Jahre verfolgte er den Plan, dort eine unabhängige Republik ins Leben zu rufen.
In Anlehung an eine legendäre Band, die Flávio als Teil seiner avantgardistischen Aktivitäten gegründet hatte, veranstaltet das Museum im Rahmen der Ausstellung Konzerte, bei denen eine Sängergruppe mit ihren Stimmen Instrumente imitiert. Das Repertoire der ausgewählten Stücke und Lieder, die alle dem Kaffee huldigen, erstreckt sich vom Lundu (afrobrasilianischer Volkstanz, der von Sklaven entwickelt wurde) bis hin zu Chansons von Serge Gainsbourg.
Die schweizerische Künstlerin Denise Bertschi verbindet die feudalen und modernistischen Erzählstränge von Colônia Helvécia und der Fazenda Capuava in einem eigens für die Ausstellung kommissionierten Werk.
Objekte, die auf die Arbeitsbedingungen der Sklaven auf den Kaffeeplantagen deuten, stammen aus den Sammlungen des Museu Afro Brasil in São Paulo und seines Direktors, des Künstlers Emanoel Araujó.

Nachweis (für dei Fotografie): Isabella Matheus
Pombal (Colombier): Plantation de café d'une colonie Neuchâteloise au Brésil
Autor: Bosset de Luze (1754 - 1838)
Courtesy: Pinacoteca do Estado de São Paulo