Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8008 Zürich
Dienstag 16-22h, Samstag/Sonntag 11-17h
Eintritt Sfr. 7. - ab 26 Jahre
+41 (0) 44 388 61 90
office@johannjacobs.com

Omoshirogara

— Japans Weg in die Moderne — widmet sich dem besonderen Charakter der japanischen Modernisierung.

Dazu versenkt sich unsere Ausstellung in die Muster von Kimonos, die in der bewegten Epoche zwischen 1900 und 1940 entworfen und getragen wurden (omoshirogara bedeutet soviel wie “reizvolle, neuartige Muster”). Diese Kimonos inszenieren die Durchdringung des japanischen Alltags mit westlicher Technologie (wie Flugzeugen, Eisenbrücken, Wolkenkratzern und Telegrafen). Sie propagieren aber auch die imperialistischen Ambitionen des japanischen Kaiserreiches, das seit seinem Sieg im russisch-japanischen Krieg 1905 dem Westen als ebenbürtiger Partner entgegentrat, und sich gegenüber China und Korea sowie im weiteren pazifischen Raum als Zentralmacht zu etablieren suchte.

21. Januar bis 17. April 2016

Ausstellung

6. Februar 2016, 10 bis 18 Uhr

Inner and Outer Forms of 1930s Japan
Konferenz

11. März 2016, 19 Uhr

The Japanese Layering of Modern Life
Kolloquium

Bei sorgfältiger Lektüre dieser spektakulären, selten gezeigten Kimonos wird deutlich, wie sich etablierte japanische Wahrnehmungs- und Gestaltungsmuster mit Elementen des westlichen Lebens (Baseball, Mickey Mouse, dem Berliner Stadtschloss, der Krönung von George VI.) verflechten. Diese Verflechtung ist etwas wesentlich anderes, als was gemeinhin „Verwestlichung“ genannt wird. Das Schauspiel, das diese Kimonos bieten, ist das einer ästhetischen Einarbeitung des Westens — zu japanischen Bedingungen.

Neben den Kimonos und japanischem Filmmaterial zeigen wir ab Januar 2016 das historische Modell der Yamashiru-maru (Bergfestung), ein 2500 Tonnen schweres Passagier- und Frachtschiff, das in japanischem Auftrag 1884 in England gebaut wurde und als emblematisch für die Meiji-Restauration gelten kann.
Die Yamashiru-maru transportierte in ihrer bewegten Geschichte Tausende von japanischen Arbeitsmigrantinnen und -migranten nach Hawaii, wurde im ersten chinesisch-japanischen Krieg (1894-95) zum Torpedo-Mutterschiff umgerüstet, veknüpfte auf ihren Reisen Korea, Taiwan und Wladiwostok, und diente schliesslich im russisch-japanischen Krieg (1904-05) als Lazarettschiff.

Die Ausstellung Omoshirogara — Japans Weg in die Moderne entstand auf Anregung und in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hans B. Thomsen (Universität Zürich, Kunstgeschichte Ostasiens) sowie Sara Gianera, M.A., Leonie Thalmann, B.A., Fabienne Pfister, B.A., Anna-Barbara Neumann, B.A., Anjuli Ramdenee, B.A. und Alina Martimyanova, M.A..

Die Exponate wurden uns freundlicherweise von der Galerie Ruf Beckenried (Schweiz) zur Verfügung gestellt.
Der Yamashiru-maru ist ein Forschungsprojekt der Universität Zürich gewidmet, das Prof. Dr. Martin Dusinberre (Chair of Global History) leitet.